Der Kreis Aachen ist ein Kreis im äußersten Westen von Nordrhein-Westfalen. Er ist Teil der Euregio Maas-Rhein sowie des Regierungsbezirks Köln und geht zurück auf den Landkreis Aachen. Letzterer gehörte zum ehemaligen Regierungsbezirk Aachen in der preußischen Rheinprovinz, welcher 1816 aus den von 1798 bis 1814 französischen Kantonen Burtscheid und Eschweiler im Arrondissement Aachen, Département Roer sowie Teilen des Kantons Rolduc im Arrondissement Maastricht, Département Meuse-Inférieure entstanden ist.
Der Kreis Aachen besteht heute aus sieben Städten und zwei Gemeinden. Er erstreckt sich von der Stadt Baesweiler im Norden über ca. 50 Kilometer bis zur Stadt Monschau im Süden. An der schmalsten Stelle verfügt er über eine Breite von nur 6 km.
Während die nördlichen und östlichen Teile des Kreises geographisch und topographisch zu den Bördenlandschaften der Niederrheinischen Bucht gehören, dehnt sich der südliche Teil des Kreises auf die Mittelgebirgslandschaft der Eifel aus.
Obwohl die kreisfreie Stadt Aachen selbst nicht zum Kreis Aachen gehört, befindet sich dort dennoch der Kreissitz. Grund hierfür ist die Tatsache, dass sich das Kreishaus bzw. Landratsamt auf ehemals Burtscheider Stadtgebiet liegt. Vor dem Zusammenschluss mit der Stadt Aachen gehörte Burtscheid noch zum Kreis Aachen.
Der Kreis Aachen grenzt im Norden an den Kreis Heinsberg, im Osten an die Kreise Düren und Euskirchen, im Süden und Westen an Belgien, im Westen an die kreisfreie Stadt Aachen und an die Niederlande.
Wichtige prähistorische Funde wurden im Kreisgebiet, etwa im Korkus bei Eschweiler-Volkenrath, in Simmerath-Strauch und in Monschau-Kalterherberg, entdeckt. Primitive Faustkeile und Steingeräte zeugen davon, dass dieser Landstrich schon in der Altsteinzeit, also vor mehr als 500.000 Jahren v. Chr., von Jägern und Fischern bewohnt war.
Später zogen nomadisierende Völkerschaften durch. Zuerst siedelten hier Kelten, dann eroberten die Römer kurz vor der Zeitenwende das Gebiet. Sie rotteten den Stamm der Eburonen, der zwischen Maas und Rur lebte, im Jahre 57 n. Chr. aus und siedelten dafür westlich der Wurm die germanischen Stämme der Segnier und Condrusen an und östlich der Wurm die Ubier.
Während der 400jährigen Herrschaft der Römer erlebte der Aachener Raum eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Darüber hinaus verbreiteten sie das Christentum. Im Laufe der Zeit folgten andere Stämme. Den abziehenden römischen Legionen folgten vom Rhein und der Maas her Stämme ripurarischer und salischer Franken.
Chlodwig I. (466 bis 511), seit 482 König der Franken und Gründer des fränkischen Großreiches, vernichtete die restliche Herrschaft der Römer in Gallien (heutiges Frankreich und Belgien) und überschritt die Wurm. Um 500 n. Chr. stand er vor den Toren Kölns.
Karl der Große (742 bis 814), der seit 768 Frankenkönig war, erhob 769 den damaligen Königshof Aachen zur Pfalz, das heißt, zu einem bevorzugten Aufenthalt des Hofes. Ihn reizten neben den heißen Quellen und der günstigen Lage Aachens inmitten seines Reiches auch die großen Jagdgebiete in der Eifel und in den Ardennen.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich Aachen und das Land um die kaiserliche Pfalz vom bäuerlichen Königsgut zur Reichsstadt. Dem Aufstieg folgte der Niedergang, aber auch ein zähes Ringen um Freiheit und Eigenständigkeit.
Fürsten, Kaiser, Könige, Herzöge und Ritter befehdeten sich in der Vergangenheit unaufhörlich und verwüsteten dabei immer wieder das Land. Normannen, Staufen und Welfen, Österreicher, Spanier, Lothringer, Hessen, Holländer, Schweden und Franzosen, sie alle zogen hier durch oder kämpften.
Darunter litten die Bürger und Bauern. Das Landvolk musste häufig flüchten, es verlor Hab und Gut oder gar das Leben. Seuchen und Hungersnot kamen hinzu, so dass das sich immer wieder aufraffende Land tiefer und tiefer verelendete.
Trotz der vielen Kriege und Erbauseinandersetzungen blieben die im 14. Jahrhundert errichteten territorialen Verhältnisse im „Aachener Reich“ bestehen, bis die ersten französischen Revolutionsheere 1792 das linke Rheinufer besetzten. Nach der vorübergehenden Besetzung des Aachener Landes vom 15. Dezember 1792 bis zum 2. März 1793 durch die Franzosen erfolgte im September 1794 die dauernde Besitznahme. Die neue Herrschaft sollte zwanzig Jahre dauern.
An die Stelle der vielen weltlichen und geistlichen Herrschaften trat nach französischem Vorbild eine Neugliederung der Verwaltungsbezirke. Das linksrheinische Gebiet wurde 1798 in vier Départements eingeteilt, an deren Spitze Präfekten standen. Sie wurden in von Unterpräfekten geleitete Arrondissements gegliedert, die wiederum aus Kantonen bestanden. Als unterste Verwaltungseinheit fungierten die Mairien (Bürgermeistereien).
Die Arrondissements entsprachen unseren Regierungsbezirken. Aachen wurde die Hauptstadt des Rurdépartements (Département de la Roer) für 42 Kantone (im Kreis Aachen: Burtscheid, Eschweiler und Montjoie/Monschau) und 331 Mairien, also auch für das ganze Land um Aachen und Monschau. Ausgenommen waren Teile von Herzogenrath, Alsdorf, Merkstein und Rimburg, die dem Département de la Meuse-Inférieure zugewiesen wurden.
Die Verwaltung in den neuen Bezirken arbeitete streng zentralistisch. Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 beendete die französische Herrschaft in Deutschland. Am 17. Januar 1814 verließ der Präfekt die alte Kaiserstadt. Noch am selben Abend zogen alliierte Truppen in Aachen ein. Zwar blieb zunächst das „Département“ bestehen, doch übernahm nunmehr eine Zentral-Regierungskommission die Verwaltung.
Auf dem Wiener Kongress (1815) wurde dann die grundlegende Neuordnung der staatlichen Verhältnisse nach der Niederlage Napoleons beschlossen. Dank seiner Beteiligung an den Freiheitskriegen erhielt Preußen durch das Wiener Traktat neben anderen Bereichen auch das Aachener Gebiet zugesprochen. Im November 1815 erfolgte die Einteilung des Rheinlandes in zwei Provinzen und sechs Regierungsbezirke.
Einer davon war der Regierungsbezirk Aachen. Entsprechend der preußischen Verwaltungsgliederung wurden darüber hinaus so genannte Landkreise gebildet, deren Grenze durch die französischen Kantone weitgehend vorbestimmt waren. Die Größe dieser neuen staatlichen Verwaltungsbezirke legte man danach fest, ob der Bürger seine Geschäfte an einem Tage, ohne zu übernachten, bei der Landratsverwaltung erledigen konnte.
Bei einer Fahrzeit von ungefähr einer Stunde ergaben die Verhältnisse Anfang des 19. Jahrhunderts eine Geschwindigkeit – zu Fuß oder mit dem Pferdewagen – von 5 Kilometern pro Stunde. 1815 setzte Preußen den Landkreis Aachen aus den ehemaligen französischen Kantonen Burtscheid, Eschweiler und Teilen des Kantons Rolduc zusammen.
Zum Kreis gehörten die damaligen Bürgermeistereien Alsdorf (heute Stadt Alsdorf), Burtscheid (heute Aachen-Burtscheid), Eschweiler (heute Stadt Eschweiler), Herzogenrath (heute Stadt Herzogenrath), Stolberg (heute Stadt Stolberg (Rhld.)) und Würselen (heute Stadt Würselen).
An der Spitze der neuen Verwaltungseinrichtung stand nach den Bestimmungen des § 34 der Allerhöchsten Kabinettsorder Friedrich Wilhelm III. ein „Landrath“. Die Geburtsurkunde der Landkreise Aachen und Monschau ist die Anordnung der königlich preußischen Regierung zu Aachen, die im Amtsblatt Nr. 1 vom 27. April 1816 veröffentlicht wurde. Mit dem 1. Mai 1816 traten die Landräte Karl Rudolf von Strauch für den Landkreis Aachen und Bernhard Böcking für den Kreis Monschau ihre wichtigen Ämter an.
Dem Landkreis Aachen wurden 6,16 geografische Quadratmeilen Fläche für 43.349 Seelen und dem Landkreis Montjoie 6,60 geografische Quadratmeilen für 16.983 Bürger zugeteilt. Weder geografisch noch wirtschaftlich noch verwaltungsmäßig blieben die beiden Landkreise so bestehen, wie es im April 1816 verfügt wurde.
Der Landkreis Aachen war erst Bestandteil der Provinz Jülich-Kleve-Berg und dann der Rheinprovinz. Er kam nach dem Zweiten Weltkrieg zu Nordrhein-Westfalen.
Kreisstadt war die Stadt Burtscheid bis zum Jahre 1897, in welchem die Stadt in die nicht zum Kreis gehörige Stadt Aachen eingemeindet wurde. Seitdem war Aachen Kreisstadt, ohne kreisangehörige Gemeinde zu sein. Das Kreishaus befindet sich noch heute auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Burtscheid.
Durch die Auskreisung der Stadtgemeinde Burtscheid (1897) und der Landgemeinde Forst (1906) erlitt der Landkreis Aachen erhebliche Landverluste; denn immerhin 2.000 Hektar gingen damit an die Stadt Aachen. Eschweiler und somit der Landkreis bzw. Kreis bekam 1932 Gebiete aus dem Kreis Düren und 1972 Gebiete aus den Kreisen Düren und Jülich zugesprochen.
Seit dem 1. Oktober 1969 heißen alle nordrhein-westfälischen Landkreise jeweils Kreis, also wurde auch der Landkreis Aachen in Kreis Aachen umbenannt.
Von 1937 bis 1971 gab es im Landkreis bzw. Kreis 19 Städte und Gemeinden. Der statistische Stand am 31. Dezember 1971 lautete: 337,14 Quadratkilometer Fläche und 280.730 Einwohner.
Die Grenzen des alten Landkreises Monschau und seine innere Einteilung haben immer ein wenig geschwankt. So hatte er die erste größere Einbuße gleich nach dem Ersten Weltkrieg zu verzeichnen. Die gesamte Bahnlinie im Monschauer Land bekam der belgische Staat, ebenso wie bedeutende Flächen der Vennwälder.
Ein einschneidendes Ereignis in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bildete der Bau des Westwalles im Kreisgebiet, das im besonderen Maße von den Auswirkungen der Bautätigkeiten betroffen war. Auch der Zweite Weltkrieg brachte erneut Grenzkorrekturen. An Belgien mussten 850 Hektar Land abgetreten werden, dafür fielen Gebiete von 487 Hektar, insbesondere bei Fringshaus-Roetgen-Lammersdorf, aufgrund des Brüsseler Vertrages von 1956 wieder an den Kreis zurück. Am 31. Dezember 1971 zählte man 32.615 Einwohner auf einer Fläche von 290,32 Quadratkilometern.
Ein historisches Ereignis in der Geschichte der beiden Kreise ist noch relativ „jung“. Am 1. Januar 1972 wurden die Kreise Aachen und Monschau zu einem neuen Kreis Aachen aufgrund des Aachen-Gesetzes vereint. Hinzu kommt die Gemeinde Baesweiler (heute Stadt Baesweiler) aus dem aufgelösten Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg. Verwaltungssitz blieb die kreisfreie Stadt Aachen.
Das Ergebnis dieses Gebietsreformprogramms: der Kreis Aachen wuchs auf eine Fläche von 550,64 Quadratkilometern mit 285.954 Einwohnern an. Insgesamt 36 kreisangehörige Städte und Gemeinden, Ämter und amtsangehörige Gemeinden, die in ihrer Struktur meist noch auf die Mairie-Verfassung zur Zeit Napoleons zurückgingen, wurden aufgelöst und zu sieben Städten und zwei Gemeinden zusammengeschlossen. Der Bildung dieses Umlandkreises Aachen lagen landesstrukturelle und landesentwicklungspolitische Überlegungen zugrunde. Der Anschluss von finanziell schwachen Gebieten an finanzstarke Nachbarn war ein Ziel der Neuplanung.
Die 9 Gemeinden im Jahre 1972
Alsdorf - Baesweiler - Eschweiler - Herzogenrath - Monschau - Roetgen - Simmerath - Stolberg - Würselen
Die Blasonierung des Kreiswappens des Kreises Aachen lautet in der Hauptsatzung des Kreises Aachen: „In Blau ein goldenes (gelbes) Hirschgeweih, auf dessen Grind stehend ein silberner (weißer) Schwan mit schwarzen Füßen, ebensolchem Schnabel und roter Zunge; darüber im Schildhaupt in Gold (Gelb) ein schreitender, rotbezungter, schwarzer Löwe.“
Im Schildhaupt ist der Jülicher Löwe dargestellt, da sich das Kreisgebiet im Wesentlichen aus Gebietsteilen des ehemaligen Herzogtums Jülich zusammensetzt. Der Schwan auf dem Hirschgeweih im blauen Feld steht für die vormalige Reichsabtei und ehemalige Stadt Burtscheid, auf deren Gebiet sich die Kreisverwaltung des Kreises Aachen befindet.
In wirtschaftsstruktureller Hinsicht ist der Kreis Aachen dreigeteilt: im Norden liegt das Wurmrevier mit den Städten: Alsdorf (rd. 46.000 Einwohner), Baesweiler (rd. 28.000 Einwohner), Herzogenrath (rd. 47.000 Einwohner) und Würselen (rd. 37.000 Einwohner).
Neben bekannten Firmen der Glasindustrie und Nadelfabrikation sowie Nahrungsmittelbetrieben haben sich hier inzwischen weitere wachstumsintensive und technologieorientierte Betriebe angesiedelt. Darüber hinaus bestimmt eine große Zahl von mittelständischen Unternehmen mit breitgefächertem Liefer- und Leistungsprogramm das Wirtschaftsbild.
Zwischen dem Nordkreis und den Städten und Gemeinden des Altkreises Monschau (Südkreis) liegen die traditionsreichen Industriestädte Eschweiler (rd. 57.000 Einwohner) und Stolberg (rd. 58.000 Einwohner).
So nahmen in der Stadt Eschweiler z. B. der Hoesch- und der Thyssen-Konzern seinen Anfang. Glas-, Kunststoff- und vor allem Metallverarbeitungsbetriebe sind hier heute ebenso ansässig wie Firmen aus der chemischen und pharmazeutischen Branche. Darüber hinaus sind in Eschweiler eine Vielzahl von mittleren und kleinen Betrieben ansässig, wobei sich die Stadt immer mehr zu einem regionalem Einkaufszentrum entwickelt.
In Eschweiler wurde der Eschweiler Bergwerks-Verein EBV 1834 gegründet, der für eine ganze Region bis in die 1990er Jahre Arbeitgeber war. Eschweilers Bodenschätze sind in erster Linie Steinkohle, Braunkohle und Zink. Auch die Stolberger Industrie weist eine reiche Tradition auf. Chemische und Messingindustrie verschafften der Stadt hohes Ansehen, hinterließen aber hohe Umweltschäden wie die Gressenicher Krankheit, Bleikinder und Vegla-Polder. Noch heute lebt diese Tradition in vielen Firmennamen weiter.
Der Rückzug des Steinkohlenbergbaus führte im Wurmrevier und Inderevier um die Städte Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath und Würselen zu einer bisher unbekannten Aufbruchstimmung. Eine Vielzahl von zukunftsweisenden Projekten sind geplant oder bereits in Angriff genommen. Dazu zählt u.a. die Erschließung von großflächigen Industrie- und Gewerbegebieten. Im ehemaligen Braunkohlentagebau „Zukunft“ ist der Blausteinsee entstanden, ein überregionales Freizeit- und Erholungsgebiet.
Der südliche Teil des Kreises Aachen mit der Stadt Monschau (rd. 13.000 Einwohner) und den Gemeinden Roetgen (rd. 8.000 Einwohner) und Simmerath (rd. 16.000 Einwohner) verfügt als Teil des Naturparks Nordeifel über besondere landschaftliche Reize und bildet mit dem Gebiet um die Rurtalsperre, der zweitgrößten Talsperre Deutschlands, einen ausgesprochenen Fremdenverkehrsschwerpunkt. Neben der „Weißen Industrie“ sind jedoch auch beachtliche gewerbliche Ansätze vorhanden.
Wegen des beruflich breitgefächerten Arbeitskräftepotentials und der vorhandenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten besteht im Kreis Aachen die Möglichkeit, auf eine zahlenmäßig starke und im Vergleich zu anderen Regionen junge und leistungsfähige Arbeitskraftreserve zurückgreifen zu können.
In Simmerath unterhält die Handwerkskammer ein überregionales Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrum. In Alsdorf besteht seit 1984 der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbild e.V. (VABW), der die Weiterbildung von Arbeitnehmern im Bereich der neuen Technologien zum Ziel hat.
Der Blausteinsee - offiziell Freizeit- und Erholungsschwerpunkt Blausteinsee - ist ein etwa 100 Hektar großer und bis zu 46 Meter tiefer künstlicher See nördlich von Eschweiler im westlichen Nordrhein-Westfalen. Er entstand im Rahmen der Rekultivierung eines ehemaligen Braunkohletagebaus im Rheinischen Braunkohlerevier durch die Auffüllung des Tagebaurestlochs mit Oberflächenwasser und dient heute als Naherholungsgebiet für die umliegenden Städte. Sein Wasserspiegel befindet sich 129 m ü. NN. Das Gesamtfüllvolumen beträgt zirka 25 Millionen Kubikmeter.
Der Blausteinsee liegt vollständig auf dem Stadtgebiet von Eschweiler; nur der nördlich angrenzende Schlangengraben liegt zur Hälfte auf dem Gebiet der Gemeinde Aldenhoven. Am südlichen Seeufer schließt sich übergangslos der Stadtteil Dürwiß mit seinem bewaldeten Naherholungsbereich mit Freibad und Jugendverkehrsgarten an, am östlichen Seeufer der Zwillingsstadtteil Fronhoven/Neu-Lohn. Der See wird von einem 80 bis 130 Meter breiten Grüngürtel umgeben, in welchem sich Wanderwege und separate Reitwege sowie eine 10,3 km lange Skaterstrecke befinden. Insgesamt ist der Freizeit- und Erholungsschwerpunkt in der so genannten Seemulde rund 180 Hektar groß.
Die Tauchzone mit Einstiegshilfe und Füllstation liegt am Nordwestufer, der Badebereich mit Badestrand und Gastronomiebereich am Westufer, während die nördliche, nordöstliche und östliche Uferzone Naturschutzgebiet ist.
Der Blausteinsee ist biologisch noch jung. Nesseltiere, Krebse, Wasserschnecken, Amphibien und Schwärme von kleinen bis mittelgroßen Fischen wie die karpfenartigen Rotfedern und Rotaugen (Weißfische) sowie Barsche und Aale sind im See zu beobachten, und im Uferbereich beginnen sich die ersten Wasserpflanzen auszubreiten. Die unmittelbare Umgebung des Sees ist durch weite Felder, Baumreihen, Feldgehölze und Hecken geprägt. Der 80 bis 130 Meter breite Grüngürtel besteht aus Laubbäumen, Sträuchern, Wiesen und sich selbst überlassenen Flächen.
Das Schlangengrabental um den Schlangengraben ist eine rund 3,5 Kilometer lange und zwischen 150 und 400 Meter breite Mulde nördlich des Sees in Richtung Aldenhoven. Auf ihren Böschungen wächst ein Wald heran. In dieser lang gestreckten, im südlichen, seenahen Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Mulde sind feuchte und wechselfeuchte Biotope angelegt worden. Der Schlangengraben nimmt Regenwasser der umliegenden Felder sowie das überlaufende Wasser des Sees auf und leitet es nach Norden in einen naturnah gestalteten Regenüberlauf.
Die in der Bördenlandschaft anzutreffenden Lössböden können sehr viel Feuchtigkeit speichern. Somit führt das „Schlangengrabental“ nur nach starken Regenfällen Wasser. Bei der Verkippung der oberen Schichten hat der Absetzer seinen Ausleger seitlich derart geschwenkt, dass der Forstkies locker aufeinander fiel und sich eine heute noch erhaltene rippenförmige Bodenstruktur ergab. Anschließend wurden die Flächen nicht eingeebnet und der Boden nicht verdichtet, so dass er besser Wasser aufnehmen kann. Forstkies ist ein Substrat aus Kies und Lösslehm.
Der Blausteinsee entwickelte sich schnell zum Anziehungspunkt für Freizeitsportler. Am westlichen Ufer des Sees wurde ein Tauchgebiet eingerichtet. Die Sichtweite beträgt wegen des sandigen Untergrunds abhängig von der Anzahl der Taucher ein bis sieben Meter, besonders gut ist die Sichtweite unter 25 Meter Tauchtiefe. Im See wurden verschiedene Attraktionen wie ein Unimog, ein Jollenwrack, eine Engelsfigur und ein „versunkener Wald“ versenkt, für welche der Eschweiler Tauchclub eine Unterwasserkarte angefertigt hat. Auch Kanuten, Ruderer, Schwimmer, Segler und Surfer benutzen den Blausteinsee. Seit Ende 2006 ist das Kitesurfen am Blausteinsee verboten.
Jährlich wird der Erich-Berschkeit-Pokal in Form einer Regatta ausgetragen. Er ist nach dem ehemaligen Eschweiler Bürgermeister Erich Berschkeit (1984 - 1986), welcher sich entscheidend für den See einsetzte, benannt.
Rund um den Blausteinsee erinnern mehrere Gedenksteine und Wegkreuze an die hier abgebaggerten Ortschaften. Eine Übersichtstafel mit zahlreichen Luftaufnahmen steht an der Gedächtniskapelle Kirchspiel Lohn. Ein 15 km langer, ausgewiesener Historischer Pfad führt auf Aldenhovener und Eschweiler Gemeindegebiet als Rundgang um den See. Seine Stationen sind die neunen Weiler Weiler Hausen und Weiler Langweiler sowie das Erbericher Kreuz, das Neulandkreuz und die mit Informationstafeln ausgestatteten Gedenksteine an Langendorf, Langweiler, Laurenzberg, Lürken, Obermerz und das Rittergut Hausen.
1981 arbeitete die Stadt Eschweiler Konzepte für einen Eschweiler See aus; zuvor hatte sich bereits 1979 der Verein Segelklub Eschweiler See gegründet. 1982 begann die Umsiedlung der Bevölkerung aus Erberich, Langendorf, Laurenzberg, Lürken, Langweiler und Obermerz hauptsächlich nach Neu-Lohn und Fronhoven. Die Blausteinsee GmbH wurde als kommunale Trägergesellschaft der Kommunen Aldenhoven, Alsdorf, Eschweiler und Würselen gegründet und der geplante Eschweiler See in Blausteinsee umbenannt. Der Blausteinsee war somit das erste interkommunale Projekt der Region Aachen.
Namensgeber war die alte Gemarkung Am blauen Stein nördlich von Dürwiß. Schon in alten Flurkarten und Deutschen Grundkarten findet sich dieser Name, der jedoch nicht auf einen Blausteinsteinbruch zurück geht, sondern auf das ehemals an der Provinzialstraße zwischen Dürwiß und Fronhoven stehende 3,50 Meter hohe Fronhovener Kreuz, einem Wegkreuz aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.
Nachdem 1987 im Braunkohletagebau Zukunft-West die letzte von 530 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert worden war, wurde mit der Rekultivierung begonnen. Im Frühjahr 1994 verließ der letzte Absetzer den Tagebau. Das ehemalige Abbaufeld der Tagebaue Zukunft und Zukunft-West ist knapp 23 Quadratkilometer groß. Zur selben Zeit wurde die Zufahrtstraße Zum Blausteinsee benannt.
Am 5. Oktober begann die Wasserbefüllung des Blausteinsees. Die Wasserfontäne befand sich etwa in Seemitte rund 500 m vom Ufer entfernt und spritzte mit etwa 210 Litern Wasser pro Sekunde. Jährlich flossen bis zu 6,7 Millionen Kubikmeter Wasser in den See, und für die Erstbefüllung waren mindestens 75 Millionen Kubikmeter erforderlich, da bis zu 50 Millionen Kubikmeter Wasser versickerten bzw. verdunsteten.
Im August 1997 wurde der Verband der wassersporttreibenden Vereine Blausteinsee 1997 e. V. gegründet, der aus der seit 1982 bestehenden Interessengemeinschaft Blausteinsee hervorging. Am 12. August 2000 wurde der Blausteinsee offiziell eröffnet und ein provisorisches Containerdorf errichtet. 2002 errichteten die Wassersport treibenden Vereine eine Steganlage. Seit August 2003 patrouillierten Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes am Blausteinsee, um zu verhindern, dass wild gegrillt, gebadet und Naturschutzzonen betreten werden. Im August 2004 wurde ein Teil des Sees zum Schwimmen freigegeben, und im Jahr 2005 erreichte er seine endgültige Größe von etwa 100 Hektar bei einer maximalen Tiefe von 46 m. Ein großer Findling am Westufer erinnert an die Erstbefüllung und Eröffnung.
Im Rahmen eines langfristig angelegten Projekts soll der Blausteinsee in den neu entstehenden Landschaftspark Eschweiler/Inden mit Namen Indeland als ein Projekt der EuRegionale 2008 integriert werden. Dieser Landschaftspark soll die gesamte rekultivierte Fläche des Tagebaus Inden unter dem Themenbereich „Wasser“ zusammenfassen. Ein ähnliches Vorhaben wurde bereits vor Jahrzehnten bei der Rekultivierung im Südrevier des Rheinischen Braunkohlereviers im heutigen Naturpark Rheinland westlich von Köln umgesetzt. Geplant ist am See ferner das Projekt „Seetribüne - Seebühne - Se(e)hfenster“ mit Kosten in einer Gesamthöhe von etwa 3,5 Millionen Euro.
Bei der Versiegelung des Untergrundes des Blausteinsees wurde ein neues Verfahren angewandt. Somit gilt er als ein Prototyp für den zwischen 2035 und 2050 geplanten See im benachbarten Tagebau Inden.
Der Blausteinsee liegt in unmittelbarer Nähe der Landstraße L 238 zwischen Eschweiler, Dürwiß, Neu-Lohn/Fronhoven, Aldenhoven und Jülich. Die nächsten Anschlussstellen sind Aldenhoven auf der A 44 sowie Eschweiler-West und Eschweiler-Ost auf der A 4. Radwege sind ausgeschildert.
Die beiden nächsten Bushaltestellen sind am Südufer Freibad bei Dürwiß und in der Nähe des Ostufers Wiesenstraße bei Fronhoven der Linie 6 (Eschweiler Bushof–Dürwiß–Neu-Lohn–Fronhoven–Aldenhoven).
Die beiden nächsten Bahnstationen sind Eschweiler-Nothberg an der euregiobahn und Eschweiler Hbf an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen.