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Landkreis Schwalm-Eder

Der Schwalm-Eder-Kreis ist ein Landkreis im Regierungsbezirk Kassel in Nordhessen. Er hat 182.513 Einwohner und eine Fläche von 1.538,56 km², was ihn zum flächenmäßig zweitgrößten Landkreis Hessens nach dem Landkreis Waldeck-Frankenberg macht. Er wurde 1974 aus den Altkreisen Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain gebildet. Die im Zentrum liegende Stadt Homberg/Efze ist die Kreisstadt.

Der Kreis enthält Teile des Knüllgebirges und des Kellerwalds und wird von der Westhessischen Senke mit ihren fruchtbaren Böden durchzogen. Die namensgebenden Flüsse Schwalm und Eder durchfließen ihn.

Der Schwalm-Eder-Kreis liegt im historischen Siedlungsgebiet der Chatten. Sein Nordteil war als Gaugrafschaft Maden die Keimzelle der Landgrafschaft Hessen, sein Südteil jahrhundertelang bis 1450 die selbständige Grafschaft Ziegenhain. Im Mittelalter war die Region von den Auseinandersetzungen zwischen Kurmainz und der Landgrafschaft Hessen gekennzeichnet.

Der Schwalm-Eder-Kreis liegt im Norden Hessens und ist mit einer Fläche von 1.538,29 km² der zweitgrößte Kreis des Landes nach dem Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das entspricht etwa 7,3 Prozent der hessischen Landesfläche. Im Norden grenzt er an die Landkreise Kassel und Werra-Meißner, im Osten an den Landkreis Hersfeld-Rotenburg, im Süden an den Vogelsbergkreis und den Landkreis Marburg-Biedenkopf und im Westen an den Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Naturräumlich lässt sich der Landkreis grob in drei Gebiete einteilen. Im Zentrum verläuft in einer etwa zehn Kilometer breiten Schneise die Westhessische Senke, die sich von Bad Karlshafen bis zum Vogelsberg erstreckt. Das Gelände in der Senke ist von einer aus flachen Schwellen und Rücken bestehenden Hügellandschaft geprägt, nur in den Flussniederungen von Schwalm, Eder und Fulda ist es eben. Im nördlichen Teil erheben sich eine Anzahl von Basaltkegeln. Westlich der Senke befindet sich das Westhessische Bergland, das von bewaldeten Bergkuppen bestimmt wird. Allerdings gehören nur Teile der Gemeinden Bad Zwesten, Jesberg und Gilserberg dazu, denn dieser Naturraum erstreckt sich mehrheitlich über den Kreis Waldeck-Frankenberg. Östlich der Senke befindet sich das Osthessische Bergland, das fast die Hälfte des Kreisgebietes umfasst. Dazu gehören das markante Mittelgebirge des Knülls und dessen Ausläufer, die sich über das Gebiet von acht Städten und Gemeinden des Landkreises erstrecken.

Die höchste Erhebung des Kreises ist mit 675,3 m ü. NN der Wüstegarten im Kellerwald bei Jesberg an der Kreisgrenze zu Waldeck-Frankenberg. Der niedrigste Punkt befindet sich mit 140 m ü. NN in der Gemeinde Guxhagen im Norden des Kreises.

Im östlich gelegenen Knüllgebirge dominieren im älteren Trias entstandene Formationen des Mittleren Buntsandsteins. Ebenso ist es im westlichen Teil des Kreises bei Gilserberg. Unterer Buntsandstein kommt hingegen nur lokal vor. Die Verwitterungsböden beider Gesteine sind allgemein sauer bis schwach basenhaltig und nährstoffarm. Der überwiegende Teil dieser Böden ist von Wald bedeckt.

Im Raum Fritzlar lassen sich jüngere Vorkommen des Oberen Buntsandsteins finden, der wegen seiner rötlichen Farbe auch Röt-Formation genannt wird. Diese Vorkommen bilden feinkörnige, tonig-schluffige Böden mit unterschiedlichen Kalkgehalten und plattig-tonigen Mergeln mit trockenen Standortverhältnissen. Bei Ottrau, Oberaula und Gilserberg gibt es zudem kleinere Kalkvorkommen.

Im Knüll ragen Basaltkegel aus dem Boden. Diese verstreuten Basaltdurchbrüche sind auf vulkanische Tätigkeit im Tertiär zurückzuführen. Die Verwitterungsböden sind nährstoffreicher als die des Buntsandsteins und höher basengesättigt. Wegen der Höhenlage, der steilen Hänge und des hohen Steingehalts im Boden des Knüllgebirges wird das Land meist nicht landwirtschaftlich genutzt. In der Regel sind sie bewaldet oder bilden Felsen und Blockfelder.

In der Westhessischen Senke sind für den Schwalm-Eder-Kreis zwei Gebiete auszumachen. Im nördlichen Teil des Kreises treten mesozoische Gesteine an die Oberfläche, ähnlich wie die Basaltdurchbrüche im Knüllgebirge. Im südlicher gelegenen Hessengau hingegen herrschen tertiäre Sedimente mit Sand-, Kies- und Tonlagen vor, in die bei Borken ergiebige Braunkohlevorkommen eingelagert sind. Die Senke wird auch von großen Lössablagerungen bestimmt. Sie sind im Pleistozän durch Windeinwirkung entstanden und haben sich an vielen Stellen in unterschiedlich starken Schichten ab- und umgelagert. Diese Ablagerungen bilden meist landwirtschaftlich ertragreiche Böden. Die jüngsten Ablagerungen der Quartärformation bestehen in der Regel aus Sanden bis Lehmen mit unterschiedlichen Kies- und Steingehalten. Sie lagern in den Talauen und werden bis heute durch Fluss- und Bachdynamik sowie Starkregenfälle angeschwemmt und umgelagert. Die Verwitterungsböden können fruchtbare Auenböden und bei hohen Wasserständen Gleye oder bei sandig-kiesigen Substrat trockene Standorte bilden.

Die größten Flüsse des Landkreises sind Schwalm, Eder und Fulda. Die Schwalm, die der Landschaft Schwalm den Namen gab, entspringt im Vogelsberg südlich der Kreisgrenze, durchfließt ihn in Süd-Nord-Richtung und mündet bei Rhünda in die Eder. Die Eder entspringt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen, durchfließt den Norden des Kreises in West-Ost-Richtung und mündet bei Grifte in die Fulda. Die Fulda entspringt in der Rhön und durchfließt den Landkreis im Nordosten. Die Fließgewässer des Landkreises gehören fast vollständig zum Wassereinzugsgebiet der Weser. Die Wasserscheide befindet sich im Raum Gilserberg, von wo der Josbach über Ohm und Lahn in den Rhein fließt.

Entlang der Schwalm kommt es besonders während der Schneeschmelze immer wieder zu Hochwasser. Nach einem verheerenden Hochwasser im Dezember 1960 wurde zwischen 1967 und 1972 das Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain gebaut. Geplante ähnliche Rückhaltebecken bei Wallenstein und im Gilsatal scheiterten an den ungünstigen geologischen Verhältnissen und an der Finanzierung.

Die stehenden Gewässer sind künstlich entstanden. Ihre Gruben dienten vorher dem Abbau von Kies, Sand, Braunkohle oder anderen Rohstoffen. Die meisten Seen im Kreisgebiet gibt es im Borkener Seenland. Dort befindet sich mit dem Borkener See auch der größte See des Landkreises. Beliebte Badeseen sind die Stockelache, der Neuenhainer See und der Silbersee; alle drei verfügten bei Messungen der vergangenen Jahre stets über eine ausgezeichnete Wasserqualität.

Auf dem Gebiet des Schwalm-Eder-Kreises befinden sich 34 Naturschutzgebiete. Das kleinste ist mit 2,36 Hektar der Eichelskopf bei Homberg/Efze, dessen bedeutendster Teil ein ehemaliges Tuffbruchgelände ist. Der Borkener See ist mit 332 Hektar das bei weitem größte Gebiet des Landkreises. Die Ausweisung von Naturschutzgebieten setzte erst nach Bildung des Kreises ein. Die meisten Gebiete dienen dem Schutz von Fließgewässern mit ihren Auen sowie von Teichen und Seen. Trockenbiotope treten dagegen aufgrund der geologischen Gegebenheiten in den Hintergrund. Im westlichen Teil des Kreises befindet sich ein Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee, dessen südlichster Punkt bei Gilserberg liegt und östlichster Punkt in der Nähe Bad Zwestens.

Wie viele andere Naturschutzgebiete im Schwalm-Eder-Kreis geht die Entstehung des Borkener Sees auf den eingestellten Bergbau in der Region zurück. Er entstand durch Quellschüttungen und Oberflächenwasser, nachdem ab 1980 das Grundwasser nicht mehr abgepumpt wurde. Der Goldbergsee bei Ostheim entstand ebenfalls aus einer Braunkohlegrube und beherbergt neben verschiedenen Pflanzengesellschaften auch Brut- und Rastplätze für Wasservögel. Die Kiesteiche Altenburg in Felsberg, der Reiherteich bei Böddiger, die Ederauen bei Obermöllrich und die Schlämmteiche bei Geismar waren früher Kiesgruben und dienen heute dem Vogel- und Pflanzenschutz.

Gebiete, die bedrohte Vegetation schützen, enthalten Feucht- und Frischwiesen sowie Schilfflächen und Waldstücke. Dazu gehören der Flachsrasen bei Dittershausen, die Rohrerlen bei Werkel, die Aue bei Malsfeld und das Tal des Ohe- und Hümerbaches bei Großropperhausen. Dort befinden sich alte Weiden- und Erlenbestände, Eschen-Mischwald, Eichen-Hainbuchen und Buchen-Laubmischwälder.

Zahlreiche Funde aus der Steinzeit deuten darauf hin, dass das heutige Kreisgebiet schon in vorchristlicher Zeit besiedelt war. Um die heutigen Kleinstädte Felsberg, Fritzlar, Gudensberg und Niedenstein befand sich das Kerngebiet der Chatten, daher trägt die Region auch den Namen Chattengau. Die größte Fliehburg der Chatten dürfte die Altenburg bei Niedenstein gewesen sein, die etwa ab 2000 v. Chr. besiedelt wurde. Funde von Goldmünzen, Bronzegegenständen und Glaserzeugnissen sprechen dafür, dass das Oppidum ein wichtiger regionaler Handelsplatz war. Die datierbaren Funde hören kurz vor der Zeitenwende auf. Möglicherweise wurde die Anlage im Laufe des Rachefeldzuges des römischen Feldherrn Germanicus gegen die Chatten 15 n. Chr. aufgegeben oder zerstört. Tacitus berichtet, dass der Hauptort der Chatten, Mattium, niedergebrannt wurde, und dass die Römer zuvor die Eder nach Norden überquert hatten. Bis heute ist unklar, wo dieser Ort lag. Einige Historiker nehmen daher an, dass es sich bei Mattium nicht um eine begrenzte Örtlichkeit, sondern um ein größeres Gebiet handelt, das aus diversen Einzelgehöften und Fliehburgen mit Ringwällen bestand. Die Altenburg wäre demnach ein Glied einer Ringwallkette gewesen, die möglicherweise die Ebene von Maden, mit der Mader Heide, und den Niedensteiner Stadtteil Metze umfasste. In diesen Gebiet befanden sich dann die wichtigsten religiösen, politischen, rechtlichen Stätten und Einrichtungen der Chatten.

Laut der Vita Sancti Bonifatii des Willibald von Mainz fällte der angelsächsische Missionar und Kirchenorganisator Bonifatius im Jahr 723 n. Chr. bei Fritzlar einen dem germanischen Gott Donar (Thor) geweihten Baum, die Donareiche. Aus ihrem Holz ließ er eine Kapelle errichten, an deren Stelle heute der Fritzlarer Dom steht. Das mit der Kapelle verbundene Kloster und die westlich davon gelegene Königspfalz, die Karl der Große 775 erbauen ließ, verschafften Fritzlar eine bedeutende Stellung im karolingischen Reich. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu zahlreichen Königs- und Kaiserbesuchen sowie zu Reichs- und Kirchenversammlungen. 919 wurde der sächsische Herzog Heinrich in Fritzlar zum König gewählt.

Die bisher königseigene Stadt Fritzlar kam ab etwa 1066 durch mehrere Schenkungen des Kaisers Heinrich IV. an das Erzstift Mainz. Zwar blieb die Stadt bis weit ins 13. Jahrhundert die wichtigste Stadt in Niederhessen, aber dann wurde sie allmählich von den landgräflichen Residenzstädten Marburg und Kassel abgelöst. Der wachsende weltliche Einfluss des Erzbistums in der Region sorgte vom 13. bis ins 15. Jahrhundert für ständige Fehden zwischen Kurmainz und den Landgrafen von Hessen um die territoriale Vorherrschaft. Der Sieg des Landgrafen im entscheidenden Mainzisch-Hessischen Krieg von 1427 beendete die Mainzer Ambitionen in Ober- und Niederhessen. Fritzlar war nun fast ganz von hessischem Gebiet umschlossen. Die Stadt wurde erst 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss hessisch.

Im Südteil des Kreises gelang es den Grafen von Ziegenhain im 12. Jahrhundert, sich auf der Grundlage von Fuldaer und Hersfelder Vogteirechten eine geographisch geschlossene Herrschaft aufzubauen. Die strategische Lage zwischen Ober- und Niederhessen und zwischen Mainz und Hessen zwang die Grafen zu geschicktem Lavieren in den Auseinandersetzungen zwischen den Landgrafen und Kurmainz. In den 1370er Jahren war Gottfried VIII. von Ziegenhain einer der führenden Gegner des Landgrafen im Sternerkrieg, in dessen Verlauf Schwarzenborn und Neukirchen niedergebrannt wurden. Mit dem erbenlosen Tod des letzten Grafen von Ziegenhain, Johann II. im Jahre 1450 fiel seine Grafschaft an Hessen.

1469 kam es nach Erbstreitigkeiten zwischen den Landgrafen-Brüdern Heinrich III. von Oberhessen und Ludwig II. von Niederhessen zum Hessischen Bruderkrieg, bei dem Borken und wiederum Schwarzenborn niedergebrannt sowie die Burg Jesberg zerstört wurden. Der Konflikt wurde im Folgejahr auf einem Landtag am Spieß beigelegt.

1526 berief der hessische Landgraf Philipp I. in der Homberger Stadtkirche St. Marien die Homberger Synode ein. Der Reformator Franz Lambert von Avignon legte seine Thesen vor, woraufhin die Reformation in der Landgrafschaft eingeführt wurde. Die Klöster und Stifte wurden säkularisiert. Die Fritzlarer Stifte und Klöster waren die einzigen im heutigen Kreisgebiet, die bestehen blieben, weil die Stadt zum Erzstift Mainz gehörte.

Ab 1618 wütete der Dreißigjährige Krieg, der über viele hessische Orte ungeheures Leid brachte, die Bevölkerung dahinraffte, und den Wohlstand der überlebenden Bewohner zerstörte. Die meisten Orte im heutigen Landkreis waren vom Krieg durch Truppendurchzüge, Kontributionen, Einquartierungen, Plünderungen und Brandschatzung betroffen. 1631 hielt Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel auf der Mader Heide einen Landtag ab, auf dem ihm die Landstände das nötige Geld für einen Kriegseinsatz bewilligten. Im gleichen Jahr zogen Truppen Tillys durchs Land, die auf ihrem Weg Borken plünderten und zerstörten und die Dörfer Lohne und Kirchberg ebenso verwüsteten wie das ehemalige Kloster Immichenhain, das kurz vorher vom Bistum Fulda noch einmal mit fünf Mönchen besetzt worden war.

Vor allem die Ereignisse des Jahres 1640 waren verheerend. Kroatische Reiter des Kaisers setzten Gudensberg in Brand und zerstörten 280 Gebäude; lediglich die Stadtkirche, das Hospital vor den Stadtmauern und einige Häuser blieben verschont. Kaiserliche Truppen äscherten große Teile der Stadt Treysa ein und zerstörten das gotische Rathaus. Der verantwortliche Feldmarschall Hans Rudolf von Breda fiel kurze Zeit später im Gefecht am Riebelsdorfer Berg, angeblich durch eine Kugel von Velten Muhly, Kommandant des Ziegenhainer Bürgerkorps. Zahlreiche Dörfer in der Region Schwalm sowie ein Lustschloss des Landgrafen Moritz in Guxhagen wurden in diesem Jahr Opfer kaiserlicher Truppen.

Viele Orte waren nach Ende des Krieges zerstört und verwüstet, zahlreiche Einwohner ums Leben gekommen. Allein in Fritzlar kam während des Krieges die Hälfte der Einwohner ums Leben. Während in den meisten Orten mit dem Wiederaufbau begonnen wurde, erholten sich viele Orte nur langsam.

Nach hundert ruhigen Jahren brachte der Siebenjährige Krieg mancherorts ähnliche Zerstörungen mit sich wie der Dreißigjährige Krieg. Altenbrunslar und Zwesten wurden von durchziehenden Truppen geplündert. Gudensberg, wo sich französische Magazine befanden und Truppen die Obernburg besetzten, wurde 1761 von hessischen und britischen Truppen unter Lord Granby erobert. Dabei wurde die Burg zerstört und danach beim Wiederaufbau der Stadt von den Bewohnern als Steinbruch genutzt. Französische Truppen nahmen das Schloss Spangenberg im Handstreich ein und hielten die Ziegenhainer Festung besetzt, die 1761 von hessischer Artillerie zerstört wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat die Landgrafschaft Hessen-Kassel, zu der das heutige Kreisgebiet gehörte, nicht dem Rheinbund bei und blieb neutral. Napoléon schlug Hessen-Kassel daraufhin 1807 dem neu gebildeten Königreich Westphalen unter der Regentschaft seines Bruders Jérôme Bonaparte zu. Die Unzufriedenheit über die Fremdherrschaft brachte 1809 Oberst Wilhelm von Dörnberg dazu, einen Aufstand gegen den neuen König anzuzetteln. Er versammelte in Homberg etwa 1000 schlecht bewaffnete Bauern, mit denen er gen Kassel zog, dem Regierungssitz Jérômes. Nach einem kurzen Gefecht bei Baunatal wurde der Aufstand niedergeschlagen. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Königreich 1813 aufgelöst und in der Restaurationszeit das Kurfürstentum Hessen gebildet.

Bei einer Verwaltungsreform des Kurfürstentums 1821 wurden die Kreise Fritzlar, Homberg, Melsungen und Ziegenhain gebildet. In diese Zeit fielen auch die Anfänge des Braunkohlebergbaus in der Region, der sie mehr als hundert Jahre prägen sollte. Einen ersten Aufschwung erlebte der Bergbau, als neben dem staatlichen auch das private Engagement zulässig wurde und parallel dazu der industrielle Bedarf wuchs. Private Zechengründungen erfolgten 1821 in Frielendorf durch die Familie von Baumbach sowie 1825 bei Wabern durch Postmeister Thielepape, dennoch blieben Privatgründungen wegen der hohen behördlichen Hindernisse selten. Die nordhessische Braunkohle verfügte über einen höheren Heizwert als die meisten übrigen Braunkohlen in Deutschland, ließ sich jedoch kaum weiterveredeln. Mit dem Bau der Main-Weser-Bahn in der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Kanonenbahn in den 1870er Jahren wurden die Region an die großen Wirtschaftszentren angebunden und neue Absatzmärkte erschlossen. Die besseren Verkehrsbedingungen erlaubten eine Fördersteigerung in den Zechen und führten zu einer stetigen Modernisierung des Kohleabbaus. Das Gebiet gehörte ab 1868 zu der preußischen Provinz Hessen-Nassau und war ab 1871 Bestandteil des Deutschen Kaiserreichs. Durch die Annexion wurde dem privaten Bergbau 1867 mit der Einführung des preußischen Bergrechts erheblich größere Entfaltungsmöglichkeit gewährt.

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte der Bergbau einen erheblichen Aufschwung. Die Förderzahlen wuchsen stetig und erlebten vor dem Ersten Weltkrieg einen vorläufigen Höhepunkt. In den Kriegsjahren und dem Revolutionsjahr 1919 gingen die Förderzahlen jedoch zurück, da die Belegschaften der Zechen im Felde standen. 1922 bis 1923 wurde in Borken das Großkraftwerk Main-Weser errichtet, in dem die Kohle aus mehreren Untertage- und Tagebauten verbraucht wurde. Das Kraftwerk Borken und die wachsende Kali-Industrie im Norden Hessens waren die größten Abnehmer der Braunkohle, wodurch der nordhessische Braunkohlebergbau in dieser Zeit einen erneuten Aufschwung erlebte, die Förderzahlen gingen jedoch schon während der Weltwirtschaftskrise wieder deutlich zurück. Der folgende Anstieg im Dritten Reich war auf den Ausbau der Rüstungsindustrie in Kassel durch die Nationalsozialisten zurückzuführen. Mit Kriegsbeginn ging die Fördermenge wieder leicht zurück.

In der Weimarer Republik schnitten vor allem die SPD und die DNVP bei Reichstagswahlen in der Region gut ab. Bei den Kommunallandtagswahlen im November 1929 zogen Abgeordnete der NSDAP erstmals in die Gemeindeparlamente ein. Besonders bei Wählern mit einem kleinbäuerlichen oder kleingewerblichen Hintergrund, die vorher deutschnational oder liberal gewählt hatten, hatte die NSDAP Zulauf. Die DNVP und die bäuerlich orientierte Landvolkpartei wurden von ihr verdrängt. Bei der Reichstagswahl 1930 waren die Nationalsozialisten in den Landkreisen Fritzlar, Homberg und Melsungen zweitstärkste, in Ziegenhain mit 40,8 Prozent sogar stärkste Partei. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 erhielt Adolf Hitler in Homberg, Melsungen und Ziegenhain in beiden Wahlgängen die meisten Stimmen, und bei den beiden Reichstagswahlen 1932 war es ebenso.

Die Begeisterung für den Nationalsozialismus in der Region begünstigen die Ausschreitungen der Novemberpogrome 1938. Zu Überfällen auf Juden und jüdische Einrichtungen kam es in Borken, Fritzlar, Homberg, Felsberg, Guxhagen und Ziegenhain. In Felsberg gab es das erste Todesopfer der Pogrome. Im ehemaligen Kloster Breitenau im Guxhagener Ortsteil Breitenau wurde im Juni 1933 ein frühes Konzentrationslager eingerichtet.

Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Gestapo Kassel das Gelände als Arbeitserziehungslager und Konzentrationssammellager. Bei Ziegenhain wurde mit dem Stammlager IX A ein Kriegsgefangenenlager aufgebaut, deren Gefangene in der Landwirtschaft und Industrie der Umgebung Zwangsarbeit verrichten mussten. Nach der Zerstörung der Ederseestaumauer kam es 1943 in den an der Eder gelegenen Orten zu verheerenden Überschwemmungen. In den letzten Kriegstagen gab es bei Werkel und bei Zennern Gefechte zwischen amerikanischen und deutschen Truppen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg in den meisten Orten der Region die Bevölkerungszahl rapide an, weil sich viele Heimatvertriebene aus den Ostgebieten ansiedelten. Allein in Fritzlar stieg die Einwohnerzahl durch die Flüchtlinge um ein Drittel. Viele von ihnen fanden Arbeit in der Braunkohleindustrie, die Ende der 1950er Jahre ihre höchsten Beschäftigungszahlen hatte. Seit den 1960er Jahren wurden jedoch viele nordhessische Zechen geschlossen. Lediglich in Borken wurde der Bergbau aufrechterhalten.

Am 1. Januar 1974 wurden die Landkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain im Rahmen der hessischen Gebietsreform zum Schwalm-Eder-Kreis zusammengeschlossen. Die Stadt Schwalmstadt wurde aus den bisher eigenständigen Städten Treysa und Ziegenhain gebildet. Homberg/Efze ist hessenweit die einzige Kreisstadt, die vorher kein Verwaltungssitz war. Grund dafür war, dass Homberg im Zentrum des neuen Kreises lag, die vorherigen Kreisstädte hingegen an der Peripherie.

Am 1. Juni 1988 kam es in der Zeche Stolzenbach zu einem Grubenunglück, bei dem 51 Bergleute ums Leben kamen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden der Borkener Bergbau und das Kraftwerk im März 1991 stillgelegt. Bereits seit der Stilllegung in den 1960er Jahren hatte eine Rekultivierung der Tagebaue stattgefunden. Gruben um Borken und Frielendorf wurden zu Baggerseen und ihre nähere Umgebung in Wald- und Wiesenflächen umgewandelt. Mit der landschaftlichen Veränderung gewann zunehmend der Tourismus als Wirtschaftsbereich an Bedeutung.


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